Teil 15/36 von: We are the change
Von @Klaus Steinfelder, in Notion adaptiert von @StefanMünz

Thunbergs Rede vor der Französischen Nationalversammlung ist eine ihrer längeren Reden. Sie geht auf wissenschaftliche Fakten ein, aber es ist zwischen den Zeilen auch etwas Verärgerung herauszuhören. Sie war aufgrund der Einladung einer interfraktionellen Gruppe von 162 Abgeordneten eingeladen worden, aber eine Anzahl rechter Abgeordneter hatte versucht, ihren Auftritt zu verhindern, und sie äußerten sich im Vorfeld in Zeitungsinterviews beleidigend („Prophetin der Apokalypse“) und legten ihr Veto gegen eine offizielle Begrüßung durch den Parlamentspräsidenten ein.

Parlamentspräsident Richard Ferrand setzte sich darüber jedoch hinweg und empfing Thunberg vor ihrer Rede zu einem Gespräch.

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https://www.youtube.com/watch?v=J1yimNdqhqE

Greta Thunberg speech in Assemblée Nationale

Hier die Rede in deutscher Übersetzung:

Guten Tag. Mein Name ist Greta Thunberg. Danke für die Einladung und danke, dass Sie hier sind.

Ich habe gute und schlechte Nachrichten für Sie. Ich werde mit den Guten anfangen. Die Welt wird NICHT, wie eine kleine Gruppe von Leuten uns unterstellt zu behaupten, in 11 Jahren untergehen.

Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass wir, wenn wir so weitermachen wie bisher, um das Jahr 2030 eine Reihe von Kipppunkten überschritten haben werden und möglicherweise nicht mehr in der Lage sein werden, den dann unumkehrbaren Klimawandel noch aufzuhalten.

Eine Menge Leute, Politiker, Wirtschaftsführer, Journalisten, sagen, sie wären nicht einverstanden mit dem was wir sagen. Sie sagen, wir Kinder würden übertreiben, wir wären Alarmisten. Um das zu beantworten, verweise ich auf Seite 108, Kapitel 2 im letzten IPCC-Report. Dort werden Sie all unsere „Meinungen" zusammengefasst finden. Denn dort finden Sie unser noch verbliebenes CO2-Budget (siehe auch: Anhang).

Dort steht, dass wenn wir eine 67%-Chance haben wollen, die Erderwärmung auf 1,5° zu begrenzen, dann hatten wir am 01. Januar 2018 noch 420 Gt CO2 in unserem Budget zur Verfügung. Und natürlich ist diese Zahl heute schon sehr viel geringer. Wir emittieren jedes Jahr 42 Gt CO2. Bei gleichbleibenden Emissionen ist dieses Budget in 8,5 Jahren verbraucht.

Diese Zahlen sind so real wie es nur geht. Auch wenn eine Reihe von Wissenschaftlern meint, sie wären zu großzügig, sind es diese Zahlen, die von allen Nationen über das IPCC akzeptiert worden sind.

Und nicht ein einziges Mal habe ich irgendeinen Politiker, einen Wirtschaftsführer, einen Journalisten gehört, der diese Zahlen auch nur erwähnt hätte. So als ob ihr gar nicht wisst, dass diese Zahlen existieren. Als ob ihr nie den IPCC-Report gelesen habt, auf dem die Zukunft unserer Zivilisation beruht.

Oder vielleicht seid ihr einfach nicht reif genug, um die Dinge so darzustellen, wie sie sind. Weil ihr sogar diese Bürde uns Kindern überlasst.

Wir werden zu den ,Bad Guys" gemacht, die den Leuten diese unbequemen Dinge erzählen müssen, weil niemand sonst das tun will. Und alleine für das Zitieren dieser wissenschaftlichen Fakten erhalten wir unvorstellbare Mengen an Hass und Drohungen. Gewählte Amtsträger, Parlamentsabgeordnete, Journalisten verbreiten Lügen über uns.

Was ich all diese Leute gerne fragen würde, die unsere sogenannten „Meinungen" in Frage stellen und die uns für extrem halten: Haben Sie ein anderes Budget für eine ausreichende Chance um unter 1,5° zu bleiben? Gibt es ein anderes IPCC? Gibt es ein geheimes Pariser Klimaabkommen, von dem wir nichts wissen? Denn dies sind die Zahlen, die zählen. Dies ist die aktuell beste verfügbare Wissenschaft. Sie können nicht einfach Ihre eigenen Fakten machen, nur weil Ihnen nicht gefällt, was Sie hören. Es gibt keinen Mittelweg, wenn es um die Klima- und Umweltkrise geht.

Sie können natürlich argumentieren, dass man auch einen etwas riskanteren Weg gehen könnte. Für eine 50%-Chance unter 1,5° zu bleiben, hätten wir ein Budget von 580 Gt, das bei gleichbleibenden Emissionen für 12 Jahre reichen würde. Aber warum sollte man das tun? Warum sollten wir die Lebensbedingungen der zukünftigen Generationen mit der 50/50-Chance eines Münzenwurfs riskieren?